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Aus dem Jahrbuch...
Mit der Lokalfeuerlöschverordnung vom 2. Februar 1863 wurde erstmals das Feuerwehrlöschwesen in der Gemeinde Fichtenberg geregelt.[1] Anlass dafür war, dass die Gemeinde im Jahr 1860 eine der „Amtskorporation entbehrliche Feuerwehrspritze“ gekauft hatte. In der Lokalfeuerlöschordnung wurde bestimmt, dass ein Spritzenobmann oder Kommandant sowie ein Spritzenmeister und die Bedienungs- oder Druckmannschaft mit zwölf Mann zu bestellen ist. Die Einwohner der größten „Parzellen“ wurden je nach Größe in „Rotten“ eingeteilt, die eine Feuerfahne mit sich führte. Jeder Bürger musste einen gekennzeichneten Feuereimer besitzen. Zur Rettung der Registraturen im Rathaus und Pfarrhaus wurden vier Mann bestellt. Die Spritze war jährlich zweimal zu „probieren“. Am 27. April 1876 hatte hierzu der Gesamtgemeinderat beschlossen, „in hiesigem Orte eine aus 7 Mann bestehende Steigermannschaft auszurüsten und einzuüben zu lassen, wozu von der Amtskooperation ein Beitrag zugesichert worden ist.“
„Zur Einreihung in diese Mannschaft haben sich nun Freiwillige gemeldet:
Christian Kunz, Maurer dahier
Karl Eisenmann, Maurer dahier
Gottlieb Weil, Wagner hier
Georg Schneider, Fuhrmann
Gottlieb Walter, Maurer hier,
Gottlieb Bareiß, Schreiner und
Luis David Roeck, Bauer dahier
welchen heute nach vorausgegangener sachgemäßer Belehrung eröffnet wird, dass sie von dem Kommandanten der Gaildorfer Feuerwehr: Herrn Werksmeister Stäbler daselbst werden eingeübt und ausgerüstet werden und dass sie während der Übungszeit den Anordnungen und Befehlen derselben sich zu fügen haben. Den genannten Männern ist die Wichtigkeit ihres Dienstes auseinander gesetzt und ihnen vor allem eine gute Manns Zucht und Einigkeit unter sich ans Herz gelegt worden.“
„Nach Vollendung ihrer Organisation wird der Älteste unter ihnen die Obmannsstelle führen und es sind dessen Anordnungen auf einem Brandplatz von der Mannschaft in jeder Hinsicht zu respektieren. Die Leitung der Löschungsangelegenheiten steht dem betreffenden Polizeibeamten (Oberamtmann oder Ortsvorsteher) zu und es sind dessen Winke und Anordnungen zu beachten.“
„Sowohl zu den Übungen, als hauptsächlich zur Hilfeleistung bei Brandfällen ist jeder der oben genannten Männer verpflichtet und es kann von dieser Verpflichtung selbstverständlich nur Krankheit oder Ortsabwesenheit entschuldigen. Jede andere Versäumnis und Verletzung der übernommenen Verpflichtung wird mit polizeilichen Strafen geahndet.“
Aufgrund der Landesfeuerlöschordnung vom 7. Juni 1885 wurde durch Beschluss des Gemeinderats vom 24. Mai 1886 eine Pflichtfeuerwehr aufgestellt, für die die Lokalfeuerlöschordnung vom 18. Dezember 1886 galt. Danach wurde die Feuerwehr „militärisch organisiert“, mit jeweils einer Abteilung in Fichtenberg zu vier Zügen und in Mittelrot zu drei Zügen. Der Pflichtfeuerwehr gehörten durchschnittlich 130 Mann an. Im Jahr 1886 waren es 135 und 1907 134 Feuerwehrkameraden.
Die Pflichtfeuerwehr wurde 1936 in eine Freiwillige Feuerwehr umgewandelt, die sich die Satzung vom 19. September 1936 gab. Die Wehr bestand aus einem Löschzug in Fichtenberg mit 35 Mann und einem Halbzug in Mittelrot mit 27 Mann. Die Freiwillige Feuerwehr war von 1936 bis 1940 im Vereinsregister des Amtsgerichts Gaildorf eingetragen. Bereits in den Friedensjahren des Dritten Reiches spielten Vorbereitungen für den „Luftschutz“ bei den Feuerwehren eine zunehmende Rolle. Ende 1938 stellte das NS-Regime das Feuerlöschwesen mit der „Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht“ auf eine neue Grundlage.
Für die Freiwillige Feuerwehr Fichtenberg gilt gegenwärtig die Satzung vom 29. Juni 1956, nach der die Wehr aus zwei Löschzügen in Fichtenberg und einem Löschzug in Mittelrot besteht. Diese Satzung wurde zwischenzeitlich mehrfach modifiziert und dem heutigen geltenden Recht angepasst. In der Folge wurde das dezentrale System mit den Löschzügen in Fichtenberg und Mittelrot zugunsten einer zentralen Mannschaft in der Gesamtgemeinde aufgehoben. Zur Freiwilligen Feuerwehr kam 1991 die Jugendfeuerwehr und im Jahr 2001 die Altersabteilung.
Ausrüstung
Die erste Ausrüstung war eine vierrädrige Fahrspritze ohne Saugeinrichtung, die, wie bereits erwähnt, im Jahr 1860 von der Amtskörperschaft Gaildorf gekauft wurde. 1889 wurde eine neue vierrädrige zweistrahlige Saugfeuerspritze von der Firma Kurz in Stuttgart um um 1.504 Mark beschafft; die alte Spritze kam nach Mittelrot. Nach der Niederschrift über die Visitation der Feuerwehr am 1. Oktober 1890 befanden sich noch zwei Tragspritzen in Fichtenberg und Plapphof und fünf Handspritzen in Hornberg, Langert, Michelbächle, Mittelrot und Waldeck.
Das erste Fahrzeug der Feuerwehr war ein gebrauchter Mannschaftswagen der Polizei, der 1957 für 860 DM erworben wurde. Im Jahr darauf erfolgte die Anschaffung einer Tragkraftspritze TS 8 (Feuerwehrpumpe). 1965 wurde erstmals ein Löschfahrzeug LF 8 von der Firma Gebrüder Bachert in Friedrichshall-Kochendorf auf einem Daimler-Benz-Fahrgestell erworben. 1967 folgte die Erwerbung einer TS 8 für Mittelrot, wozu 1977 ein gebrauchter Spritzenanhänger kam. 1977 erhielt die Freiwillige Feuerwehr vier Atemschutzgeräte.
Das im Jahr 1965 angeschaffte LF 8 wurde im Jahr 1985 durch ein Löschfahrzeug gleichen Typs von der Firma Gebrüder Bachert mit Unimog-Fahrgestell ersetzt, das 195.000 DM kostete. Dieses Fahrzeug wird in den nächsten Jahren durch ein neues ausgetauscht. An die Stelle eines im Jahr 1986 angeschafften gebrauchten Tanklöschfahrzeugs TLF 8 aus Beständen des Katastrophenschutzes in Hamburg trat 1999 ein Löschfahrzeug LF 16/12.
Im Jahr 1996 wurde ein Mannschaftstransportwagen (MTW) aus Beständen der Polizei erworben und von den Feuerwehrkameraden entsprechend umgerüstet und allgemein instandgesetzt. Dieses Fahrzeug, das zumeist der neu gegründeten Jugendfeuerwehr diente, wurde im Jahr 2013 durch einen neuen MTW ausgetauscht. Im Jahr 2015 beschloss der Gemeinderat, das Löschfahrzeug LF 8 durch ein „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF)“ zu ersetzen. Nach der Zuschussgewährung wird der Austausch vorgenommen.
Eine Besonderheit bildet feuerwehrtechnisch der Wohnplatz Hornberger Reute. Er kann von der Freiwilligen Feuerwehr vom Gemeindegebiet Fichtenberg aus nicht erreicht werden. Daher wurde 1991 eine Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr Murrhardt abgeschlossen, die im Ernstfall angefordert wird. Nachdem im Jahr 2013 die Tagesbereitschaft durch unsere Kameradinnen und Kameraden nicht mehr gewährleistet war, wurde eine Vereinbarung mit der Gemeinde Oberrot getroffen, um im Brandfall gemeinsam auszurücken.
Gebäude
Laut Lokalfeuerlöschordnung von 1861 wurde die „zweistrahlige Druckfeuerspritze“ in einer Scheune am Bach untergestellt. 1880 errichtete die Gemeinde das Spritzenmagazin beim Rathaus. In Mittelrot wurde 1891 eine „Spritzenremise“ aufgeführt und 1966 durch ein neues Gerätehaus ersetzt. Zwei weitere Gerätehäuser entstanden 1964 im Ortsteil Langert und kurz nach der Eingemeindung 1972 in Erlenhof.
1983/84 wurde für 632.000 DM ein neues Gerätehaus beim Rathaus mit zwei Fahrzeugboxen, einem Unterrichtsraum und en notwendigen Nebengebäuden errichtet. In diesem Gebäude fand auch der DRK Ortsverein Fichtenberg e.V. seine neue Heimat. Angrenzend brachte man den Bauhof der Gemeinde unter.
Nachdem das bestehende Feuerwehrgerätehaus den räumlichen Anforderungen für die Unterbringung der technischen Ausstattung nicht mehr genügte, stand im Jahr 2009 die Wahl eines neuen Standortes oder – alternativ dazu – Erweiterungsmöglichkeiten am bisherigen Standort zur Debatte. Nach sehr intensiven Beratungen wurde am selben Standort festgehalten. Ausschlaggebend hierfür waren die Investitionskosten und der laufende Unterhaltsaufwand. In diese Zeit viel auch ein Bürgerentscheid zum Erhalt des „ehemaligen Feuerwehrgerätehauses“, der keinen Erfolg hatte, da bei einer Beteiligung von 32,11 Prozent der Stimmberechtigten nur eine Mehrheit von 553 Ja-Stimmen (gegenüber 180 Nein-Stimmen) statt der erforderlichen 25-prozentigen Zustimmung aller Wahlberechtigten zustande gekommen war. Damit wäre auch ein Abbruch in Frage gekommen. Der Gemeinderat entschloss sich aber, das Gebäude zu erhalten und mit einem Neubau zu Umgeben.
Alarmierung
Nach der Lokalfeuerlöschverordnung vom 9. Februar 1861 wurde im Brandfall mit „allen Glocken geläutet“. Die gleiche Regelung enthält die Lokalfeuerlöschverordnung von 1886 mit dem Zusatz dass auch der Hornist Alarmsignale abzugeben habe. 1939 bekam Fichtenberg eine Handsirene und 1951 wurden elektrische Sirenen auf dem Rathaus und auf dem Postgebäude installiert. Seit 1963 konnte die Feuerwehr mit vier Feuermeldern im Rathaus, Bahnhof, Post und Schulhaus in Mittelrot alarmiert werden.
In den Jahren 1982 bis 1984 erhielt die Freiwillige Feuerwehr eine funktechnische Ausrüstung mit Sprechfunk und Alarmgeräten, zugleich wurden die Sirenen an die Feuerwehrleitstelle in Schwäbisch Hall angeschlossen. Die Leitstelle kann nach wie vor die Sirenen auf dem Rathaus, auf dem Schulhaus in Mittelrot und beim Bahnhof direkt ansteuern. Jeweils vierteljährlich finden hierzu Sirenenproben statt. Zwischenzeitlich wurde jeder Feuerwehrkamerad mit einem Alarmmelder ausgestattet und im Jahr 2015 erfolgte die Umstellung der gesamten Feuerwehralarmierung auf Digitalfunk.
Besondere Vorkommnisse
Am 28. Oktobern 1910 brach während der Fahrt mit der vierrädrigen Spritze von Mittelrot zur Übung nach Fichtenberg die rechte Hinterachse. Dabei wurden zwei Feuerwehrleute, Jakob Bareiß und Christian Waimer, so schwer verletzt, dass sie von der Landeslöschkasse eine kleine Rente erhielten.
Im Jahr 1974 war die Freiwillige Feuerwehr Fichtenberg bei zwei größeren Brandfällen im Einsatz. Im Dappach brannte ein Wohnhaus vollständig nieder, in Langert konnte bei einem Brand des Scheunen- Stallanbaus der Wohnhausteil gerettet werden. Da in Langert nur die Löschwasserreserve im Wasserturm zur Verfügung stand, mussten die Stützpunktfeuerwehr von Gaildorf und die Feuerwehr Unterrot mit ihren Tanklöschfahrzeugen zur Unterstützung kommen.
Im Jahr 1976 hatte die Feuerwehr drei Brandeinsätze. Bei einem Wohnungsbrand im Hofloch wurde die Feuerwehr gegen Mitternacht alarmiert, als die Mannschaft zum Abschluss des Feuerwehrausflugs im Gasthaus „Krone“ war. Bei diesem Brand erhielt der stellvertretende Kommandant Hermann Weller eine Rauchvergiftung, die Anlass zur Beschaffung der Atemschutzgeräte war.
Im Jahr 2003 brannte das Holzwerk Fichtenberg innerhalb von Stunden komplett aus. Im Einsatz waren neben der örtlichen Feuerwehr auch Feuerwehren vom gesamten Umkreis mit etwa 100 Feuerwehrleuten im Einsatz.
Am 9. Januar 1996 wurde das erst wenige Jahre bestehende neue Vereinsheim der Sportkameradschaft Fichtenberg bei den Sportplätzen and der Rot ein Raub der Flammen und im Jahr 2003 brannte die Freizeiteinrichtung beim Stausee, bestehend aus der Gaststätte „Seestüble“, dem Tennisheim und dem DLRG-Gebäude der Gemeinde, innerhalb von Minuten komplett ab. Auch bei diesen Katastrophen war die Freiwillige Feuerwehr vollauf gefordert.
Die Vielfältigkeit der Einsätze zeigte sich auch bei den Hauptübungen der Freiwilligen Feuerwehr mit den Umliegenden Wehren. 2005 fand eine luftunterstützte Übung mit Feuerwehren der Umgebung im Waldbereich statt., da die Gemeinde mit über 60 Prozent Waldanteil auch für einen solchen Einsatz gerüstet sein soll.
Auch die Gleisanlagen und der Tunnel der Murrtalbahn waren Schauplätze von Einsätzen infolge schwerer Unfälle oder auch von Übungen. Am 30. September 2005 ereignete sich ein Zugunglück beim Bahnübergang am Rathaus, bei dem ein Schüler sein Leben verlor. Am 31. Juli 2010 entwickelte sich aus einer Übung am Schanztunnen, bei der neben der Feuerwehr auch das Rote Kreuz (DRK) und das Technische Hilfswerk (THW) beteiligt waren ein Ernstfall. Die Rauchentwicklung der Diesellokomotive, aus der als Übungsaufgabe „Verletzte“ geborgen werden sollten, führte zum erheblichen Anstieg der Kohlenmonoxidwerte in der Tunnenluft.Vorsorglich wurden sieben Hubschrauber und über 30 Krankenwage angefordert, zudem bereitete man die Aufnahmestationen in Krankenhäusern für verletzte Feuerwehrleute vor. Die abgebrochene Übung hatte auch ein strafrechtliches Nachspiel – es wurde jedoch kein Verschulden festgestellt und die wenigen verletzen Feuerwehrleute konnten nach kurzer Zeit wieder gesund aus den Krankenhäusern entlassen werden.
Feuerwehrkommandanten
von | bis | Kommandant |
---|---|---|
1861 | 1872 | Leonhard Kronmüller |
1872 | 1878 | Gottlieb Walter |
1878 | 1886 | Christian Kunz |
1896 | 1912 | Schultheiß Luis Schließmann |
1912 | 1932 | Bürgermeister Friedrich Reinhardt |
1932 | 1935 | Gottlieb Wolf |
1935 | 1941 | Ernst Harm |
1941 | 1945 | Friedrich Bürk |
1945 | 1954 | Christian Schmidtkonz |
1954 | 1955 | Robert Dietrich |
1955 | 1979 | Gotthold Greiner |
1979 | 1987 | Albrecht Dietrich |
1988 | 1996 | Albrecht Schmidt |
1996 | 1998 | Alexander Schad |
1998 | 2023 | Klaus Schmidt |
seit 2023 | Michael Dix |
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